Heimatverein Affalterthal e.V.  

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Aff-alter-thal ] Ansichten ] Publikationen ] Brauchtum ] Franzosen ] Ortsbeschreibung ] [ Schulchronik ] Zeittafel ]


Chronik der ehemaligen Affalterthaler Schule
von Gerhard Lamprecht

Vorwort:

Im Frühjahr 2002 bat mich die Vorsitzende des Heimatvereins, Sieghilde Höfling für diese Festschrift eine Chronik der hiesigen Volksschule zu erstellen. Da ich 1968, dem Jahr in dem die fast 400-jährige Geschichte der Volksschule Affalterthal zu Ende ging, als letzter der Reihe der vielen Schulmeister abschloss, sah ich es als Verpflichtung und Ehre an, diese Aufgabe zu übernehmen. Der begrenzte Rahmen der vorliegenden Festschrift erlaubte jedoch nur eine Kurzfassung, mit der der Leser ohne große Mühe das Wichtigste über die Geschichte unserer Schule erfahren kann. Der Titel „Streifzug...“ ist in diesem Sinne zu verstehen. Anstelle tiefgreifender wissenschaftlicher Abhandlungen sind so auch heitere und besinnliche Beiträge eingefügt. Hilfreich und dankbar empfand ich dabei die große Unterstützung vieler Affalterthaler, die diese kleine Chronik mitgestaltet haben. Sei es mit Aussagen als Zeit- bzw. Augenzeuge, durch die Überlassung der alten wunderschönen Schulbilder, durch Stöbern in Archiven oder den „Gschichtla“. Leider konnte dabei nur eine begrenzte Auswahl berücksichtigt werden. Ihnen allen danke ich von ganzem Herzen. Mancher Leser wird sich sicherlich fragen, was eine Schulchronik in einer Festschrift des Heimatvereins zu suchen hat. Ich meine, eine Schule ist wohl ein erhaltenswertes Kulturgut und ein Teil der Heimat, auch wenn sie, wie in unserem Falle „nur“ noch in der Erinnerung, den Gedanken und sicher auch in den Herzen weiterleben mag. Affalterthal, im Mai 2003

Das Schulhaus in Affalterthal

Nähert man sich bei einer Wanderung durch die Fränkische Schweiz, (aus welcher Richtung auch immer) dem idyllisch gelegenen Kirschendorf Affalterthal nahe Egloffstein, so wird der Blick vom hellen, schmucken Kirchturm des Ortes gefangen. Um ihn scharen sich dicht an dicht die Dächer des kleinen Juradorfes. Nur einen Steinwurf von der Kirche entfernt, aus der Ferne scheinbar mit ihr verschmelzend, erhebt sich in der Dorfmitte ein wuchtiger Barockbau aus dem Jahr 1784. Das „alte Rathaus“ wie es die Einheimischen heute nennen, das früher die ehemalige Dorfschule beherbergte.... Das Schulhaus von 1784 Als es noch kein Schulgebäude gab, war es üblich, vergleichbar zu anderen fränkischen Dörfern, dass der Lehrer in einer Art Wanderschule seine Zöglinge unterrichtete. Hierbei hatten die Bauern dem Lehrer, der oft noch als Gehilfe des Ortspfarrers oder als Handwerksgeselle tätig war, das Essen zu reichen und ihre Wohnstube für den Unterricht zu überlassen.

Über das älteste Schulhaus in Affalterthal kann nur gemutmaßt werden, da keine urkundlichen Belege über Größe und Lage vorliegen. Es dürfte aber im Rahmen des Kirchen-und Schulpatronats Affalterthal der Freiherren von und zu Egloffstein errichtet und erhalten worden sein. Wahrscheinlich stand es an der Stelle des 1784 neu gebauten Schulgebäudes (heutzutage "altes Rathaus" – siehe Bild der Titelseite), da über die Entstehung dieses Gebäudes in der Pfarrbeschreibung folgender Bericht zu lesen ist: „Am 10. April 1781 schrieb Pfarrer Daum, dass es (das alte Schulhaus, auch als Kirchnerwohnung ausgewiesen) sehr schadhaft sei, herrührend von Hagelschlag aus den Jahren 1776 und 1778, und dass immerwährend Stücke aus der Mauer herausbrächen. Er sei unter diesen Umständen für den baldigen Beginn eines Neubaues... Es erfolgte eine Augenscheinnahme die ergab, dass die vordere Seite ganz eingestürzt ist. Begutachtet wurde jedoch nur eine Reparatur (Stützen durch zwei steinerne Säulen) damit möglichst Ausgaben vermieden werden." Affalterthal war ja schon von alters her keine reiche Gemeinde. „Die Herrschaft - Kirchenpatronat und Grundherrschaft von und zu Egloffstein- beschloss einen Neubau, der Pfarrer und der Vogt von Egloffstein sollten die Bauaufsicht übernehmen.Trotz wiederholter Vorstellungen des Pfarrers, der die sich stets vergrößernde Schadhaftigkeit des Hauses beteuerte, wurde der Bau auf Sommer 1784 verschoben. Die Pläne lieferte Baumeister Weiß aus Bamberg, die auch genehmigt wurden. Wegen der unvollständigen Kirchenstiftsrechnungen sind die Baukosten nicht genau zu ermitteln.

Am ersten Montag oder Dienstag im September 1784 fand die Hebefeier statt. Über die Einweihung ist nur überliefert, dass die Schulkinder bei der dabei abgehaltenen Feier „Wecken“ erhielten. Im Untergeschoss befand sich der Schulsaal (ca. 62 qm), im Obergeschoss die etwa gleich große Dienstwohnung des Lehrers.“ Hier soll nicht verschwiegen werden, dass in späteren Jahren so mancher Schulmeister über die unzulänglichen Verhältnisse Klage führte. So Kantor Gulden, als er 1915 durchgehende Reparaturen an Fenster, Türen, Fußboden und Ofen forderte, die sich in mangelhaftem Zustand befanden. Auch der Umstand, dass sich viele Jahre der Waschkessel in der Wohnung (Küche) befand, bereitete vielen Bewohnern Verdruss.

Ein Raum - viele Schüler

Ein Blick in das Notizenbuch der Volksschule Affalterthal um 1830 verrät einen großen Schulsprengel. Kinder aus Affalterthal, Apfelbach, Hartenreuth, Hammerbühl, Hardt (!),Herzogwind (!), Mostfüll (heute Mostviel), Obermorschreuth, Rothenhof, Sattelmannsburg, 5 km entfernt (!), Schlehenmühle, Wichsenstein und Bieberbach füllten das Schulhaus. Zu erklären ist dies damit, dass 1803 die Wiedereinführung der Pfarrgrenzen als Gründung für die Schulsprengelbildung vorangetrieben wurde. Damit sollte die reine Bekenntnisschule bevorzugt werden . Das galt natürlich auch für Affalterthal, wo alle evangelischen Kinder aus den erwähnten Orten in den Schulsprengel eingegliedert wurden. Heute unverständlich, wenn man bedenkt, dass die eigentlich zuständige Gemeindeschule - aber eben katholische - wesentlich näher lag. (Herzowind/ Obertrubach)

So verwundert es nicht, dass die Schülerzahl im Wintersemester, das vom 1. November bis 30. April dauerte, im Schuljahr 1858/59 165 (!!) sog. „Werktagsschüler“ betrug. Die Sonntagsschule - eine Christenlehre für 12 bis 18-jährige Jugendliche - besuchten 81 Schüler. Im für die Landbevölkerung arbeitsintensiven Sommersemester, vom 1. Mai bis 30. Oktober, dagegen "nur" 145. Wobei anzumerken ist, dass vielerorts die Eltern, trotz der 1802 eingeführten Schulpflicht (allerdings noch kein Schulzwang), nicht immer pflichtbewusst ihre Kinder zur Schule schickten.Teils auf der Meinung begründet,dass Lesen und Schreiben keine wirtschaftlichen Vorteile bringe und die bisherige Winterschule wohl genüge. Die Lehrer wurden deshalb angehalten, akribisch genau die Schulversäumnisse in einer „Absentenliste“ festzuhalten. So betrugen im Jahr 1859 die überwiegend entschuldbaren Versäumnisse (vereiste Wege, Krankheiten, ungünstige Witterung; man denke nur an die weiten Wege, die damals die Schüler aus den Nachbarorten zu Fuß bis Affalterthal zurücklegen mussten) allein im Januar 1.149. Die Schüler kamen so nur selten pünktlich oder eben überhaupt (bei schlechtem Wetter) nicht zum Unterricht. Noch bis weit in das 20.Jahrhundert hinein durften sich Auswärtige, wie mir ein Zeitzeuge erzählte, erst am großen Schulofen – er stand in den 20-er Jahren mitten im Schulsaal- aufwärmen und auch „auftauen“. Nachmittags fiel im Winter der Unterrichts teilweise aus, um den Kindern aus Äpfelbach, Rothenhof u.a.die Heimkehr bei sinkender Nacht zu ersparen. Verständlich, dass bei diesen Verhältnissen der Unterrichtserfolg oft gefährdet war. Wie streng damals auf Anstand und Sitte geachtet wurde, zeigt der Disziplinarverweis für eine Sonntagsschülerin, angeordnet vom königlichen Lokalschulinspektor (Ortspfarrer), der damals auch außerhalb der Schule ein Auge auf Zucht und Ordnung der Schuljugend warf. 

Der eingangs erwähnte Schulsprengel veränderte bzw.verkleinerte sich naturgemäß im Lauf der Jahre aus verschiedenen Gründen. Etwa 1841, als Bieberbach eine eigene Schule erhielt und auch die Schlehenmühler in die näher gelegene Schule "mitwanderten" oder 1873 mit der Ausschulung der Ortsteile Hardt und Sattelmannsburg nach Wannbach und schließlich 1965 die Einschulung der Kinder aus Hammerbühl und Äpfelbach nach Egloffstein. 

Abteilungsunterricht - Wechselunterricht

Anlässlich einer Visitation von Lehrer Wilhelm Müller 1898 bemerkte der Distriktsschulinspektor „ob es mit 90 Kindern nicht fraglich sei, dass der Lehrer - sei er noch so tüchtig - allein damit fertig werden könne. Außerdem sei das Schulzimmer viel zu klein (62 qm), feucht und dumpfig. Der Neubau einer Schule bzw. eines zweiten Lehrzimmers sei dringend nötig...Vergrößerung ist leider eine...versäumte Pflicht der Nächstenliebe gegenüber Lehrer und Kinder..." . Ein Ausweg aus diesem Dilemma bildete, etwa ab 1803, viele Jahre lang die Einführung eines sog. „Abteilungsunterrichtes“, genehmigt von der hohen Könglichen Regierung von Oberfranken, Kammer des Inneren. Dabei wurden die Kinder von einem Lehrer vormittags bzw. nachmittags in Gruppen unterrichtet (Ganzschule). Vorwiegend die Unterklasse (1.- 3. Klasse) am Vormittag und am Nachmittag die Mittel- und Oberklasse (4.-7.Klasse) mit wechselnder Unterrichtszeit, im Sommer-, bzw. Wintersemester.

Die Hauptunterrichtszeiten lagen dabei zwischen 7(8)-11.30 (12.30) Uhr bzw. 14.30-17 Uhr. Am 3. März 1928 beantragte Bezirksschulrat Hagen auf Grund der hohen Schülerzahl – in den kommenden Jahren berechnete Lehrer Weiß einen Schnitt von 81,8 Schülern - und der geringen Größe des vorhandenen (neuen) Lehrsaals Wechselunterricht. Das bedeutete, die Zuteilung einer zweiten Lehrkraft (Aushilfslehrerin) . Lehrer Weiß teilte sich die Arbeit mit Lehrerin Beck, einige Jahre später Lehrer Panzer mit Ursula Francke.  Unterrichtet wurde im wöchentlichen Wechsel von 8-11.30 Uhr bzw. 12-16 Uhr, wobei ab 20.6 der Wechsel entfiel und die Oberklasse keinen Unterricht mehr hatte (sie wurde für den Ernteeinsatz benötigt). Mit der Idee zur Errichtung einer zweiklassigen Schule wurde also schon damals geliebäugelt.

Bieberbach erhält eine eigene Schule

Blättern wir wieder im Notizenbuch unserer Schule, so tauchen plötzlich im Schuljahr 1841/42 die (evangelischen) Kinder aus Bieberbach, Schlehenmühle, Hartenreuth, Wichsenstein und Morschreuth -1837 immerhin 61 Schüler - in der Statistik nicht mehr auf. Dem damaligen Lehrer S.A. Preis mag das eine Wohltat gewesen sein, blieben von ehemals 167 Kindern "nur" noch 81 übrig. Nicht aber für seinen ohnehin recht mager gefüllten Geldbeutel. Bezog der Lehrer zu jener Zeit doch einen Großteil seines Einkommens aus dem Schulgeld seiner Schüler; das machte immerhin einen Verlust von rund 114 fl. (Gulden) im Jahr aus. Ein kurzer Blick in die Geschichte der Volksschule Bieberbach mag diesen „Verdienstausfall“ erklären. Schon 1807 wurde der Wunsch nach einer eigenen Ortsschule in Bieberbach laut, wenigstens für die kleineren Kinder, um ihnen den weiten Schulweg in die Pfarrschule Affalterthal zu ersparen.

Angestellt wurde schließlich ein Winterlehrer für diese „Nebenschule“, ein gewisser Georg Friedrich aus Engelhardsberg, eigentlich ein Schneidergeselle, der von jedem Schulkind jährlich 32 kr. und von den Eltern freie Kost, Wohnung und Licht erhielt. Die Schulbedürfnisse wurden aus dem Schulfonds in Affalterthal bestritten, der Unterricht wurde meist im Haus Nr.1 erteilt. 1826 wurde die Schule aus Geldnot gänzlich eingestellt. Am 18.Februar 1840 rief der Gastwirt Distler aus Bieberbach auf seinem Krankenbett eine Stiftung ins Leben. Er vermachte der neu zu errichtenden Schule 2500 Gulden, wobei 2000 Gulden als ewiges Kapital bleiben sollten, den Zins sollte jährlich der Lehrer erhalten und die übrigen 500 Gulden sollten zum Schulhausbau verwendet werden . Mit diesem Geld wurde endlich am 16.9.1841 die Errichtung einer Schule genehmigt, am 1.11.1847 erfolgte der Einzug in die neue Schule. Angemerkt sei noch, dass die katholischen Kinder aus dem Raum Bieberbach noch lange Jahre in das 8 km entfernte Wolfsberg gehen mussten.

100 Jahre Queranbau in Affalterthal

Nach langen, nahezu dreißigjährigen(!) Verhandlungen wurde im Sommer 1905 an das alte Schulhaus von 1784 in den Garten des Kantors ein neuer Schulsaal (ca.54 qm) angebaut.Wegen steigender Schülerzahlen und den beengten Raumverhältnissen war dieser Anbau dringend notwendig geworden. Die Kosten (hierzu konnten keine Unterlagen gefunden werden) brachte die Schulgemeinde auf; den Grund und Boden überließ die Kirchenstiftung gegen Erbpacht. Hauseigentümer wurde die Gemeinde Affalterthal.1905 erhielt das Schulhaus erstmals Anschluss an die gemeindeeigene Wasserversorgung, 1925 an die erste Stromversorgung des Ortes .

Veränderung der Eigentums- und Besitzverhältnisse

Seit 1965 liefen zwischen der Gemeinde und der Kirchenstiftung Verhandlungen bezüglich des kircheigenen Schulgebäudes von 1784 als Kaufobjekt. Die Gemeinde wollte angesichts der Verbandsschulpläne der Regierung zur Erhaltung der dorfeigenen Schule das Schulgebäude und den Schulsaalanbau den neuzeitlichen Erfordernissen durch Renovierung und ggf. Umbau anpassen. Dieser letzte Versuch konnte aber die Auflösung der Schule nicht verhindern. Siehe Kapitel Vl. Am 2.Mai 1968 beschloss der Kirchenvorstand den Verkauf des barocken, reparaturbedürftigen Schulhauses. Dies geschah unter folgenden Bedingungen: 1. die Gemeinde erwirbt von der Kirchenstiftung für DM 20.000 Schulhaus mit Grundstück; 2. die Kirchenstiftung erwirbt kostenlos den 1903 auf Kirchengrund in Erbpacht errichteten gemeindeeigenen Schulhausanbau von der Gemeinde zur Errichtung eines kirchlichen Gemeindesaals . Die Gemeinde Affalterthal konnte danach mit einem Staaatszuschuss von 48.000 DM das alte Schulhaus zu einem prächtigen Rathaus mit Gemeindekanzlei umbauen. Die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft mit Egloffstein beendete auch diesen Zustand am 1.Mai 1978. Bedingungsgemäß wurde im 1. Stock für den evtl. Bedarf der Kirchenstiftung als Messnerwohnung eine Mietwohnung eingebaut, die zur Zeit vermietet ist.

Beschreibung der Affalterthaler Schulstelle.

Sie wurde 1914 vom Oberfränkischen Kreislehrerverein Bayreuth herausgegeben. Gedacht war sie als allgemeine Information und auch als Hilfestellung, wenn sich ein Lehrer auf eine frei gewordene Schulstelle bewerben wollte. Sie gliederte sich in mehrere Abschnitte - Ort, Schulgemeinde, Schulgebäude und mehr - und gab so ein umfassendes Bild der Schulstelle wieder.

Affalterthal: Pfarrdorf, 65 Häuser, 70 Familien, Pfarrei und Gemeinde Affalterthal, Poststation 2-3 km entfernt. Arzt und Apotheke in Gräfenberg, 9 km entfernt, das Telefon im Ort. Bahnstadion in Gräfenberg oder Pretzfeld, je 10 km entfernt. Ortsverbindungswege gut, fast rein landwirtschaftliche Bevölkerung, einige kleine Gewerbebetreiber. 420m ü.d. M. ziemlich eben in einer der Jurahochflächen, umgeben vom nahen Wald. Lage geschützt, Klima mild und geschlossene Hausleitung mit gutem Wasser, Kosten der Leitung durch Umlage gedeckt. 1 Metzger, 1 Bäcker, 2 kleine Krämer im Ort, außerdem Beschaffung von Lebensmittel durch Boten nach Egloffstein und Gräfenberg. Städtische Lebensmittelpreise zum Teil noch höher. Für unverheirateten Lehrer standesgemäßer Mittagstisch in Egloffstein.

Schulgemeinde 110 Familien mit 560 Seelen, Ortschaft Affalterthal, Hammerbühl, (2km), Äpfelbach (4km), Rothenhof (2,5km), und Herzogwind (6km). Hammerbühl und Äpfelbach gehören zur Gemeinde und Pfarrei Affalterthal, Rothenhof zur gleichen Pfarrei und zur Gemeinde Bieberbach, Herzogwind mit konfessioneller gemischter Bevölkerung zur Gemeinde Obertrubach. Bevölkerung seßhaft. Schulwege teilweise schlecht. Schulbesuch in den Monaten November bis März sehr mangelhaft. Die Sprengelgemeinde besitzt nur arme Bevölkerung. Die am Sprengel beteiligten Gemeinden wenig leistungsfähig, hohe Umlage 279%, Lokalwitwenkasse besteht nicht, eine kleine Schulstelle ist vorhanden, deren Zinsen bis auf weiteres zum Hauptgut geschlagen werden. Schulgeld und Lehrmittelfreiheit nicht eingeführt. Schülerbibliothek 20 Bücher. 1 Lehrer, 1 Geistlicher am Ort, Fachschule nicht eingeführt.

Schulgebäude Wohnhaus 2-stöckig 1784 erbaut im guten Zustand, frei mitten im Ort, Vorderfront NW., Vorder- und Rückseite mit Gärtchen, Kirche 30, Pfarrhaus 50 Schritte entfernt. Sitzungs- und Standesamtszimmer nicht im Schulhaus.

Stellenbeschreibung Präsentationsrecht der Grafen und Freiherren von und zu Egloffstein. Schuldienst: Ganzschule 49 Knaben, 35 Mädchen an den Werktagen und 10 Knaben, 11 Mädchen in der Sonntagsschule. Sonntagsschule im Winter von _ 1-2 Uhr, im Sommer von 12- _ 2 Uhr. Turn- und Zeichenunterricht wird nicht erteilt. Konfirmantenunterricht findet im Schulsaal Mittwoch Nachmittag und Samstag Nachmittag statt. Religionsunterricht vom Geistlichen wird wöchentlich 2 Stunden erteilt. Nebenämter: Der Lehrer ist Kantor, Organist, und Messner und Kirchturmglöckner... Abendmahlswein und Hostien werden durch die Kirchenverwaltung beschafft. Lesegottesdienst unentgeltlich durch den Lehrer. Entlohnung der Dienste im allgemeinen entsprechen, Gebühr für Beerdigungsgottesdienst viel zu niedrig, für Abholen der Leichen an anderen Orten eine nicht fassionsmäßige Ganzgebühr von 2 Mark, für freiwilliges Orgelspiel bei Taufen eine nicht fassionsmäßige Gebühr von 20 Pfennig. Hilfs-Messner nicht aufgestellt.

Abtretung des niederen Kirchendienstes schwierig, infolge Abneigung der Kirchengemeinde gegen Leistung jeden Zuschusses. Der Kirchenpfleger leistet keine Aushilfe. Kirche und Sakristei ohne Beheizung. Schulbetrieb wenig durch kirchliche Funktion gestört. Bei Filialgottesdienst wirkt der Lehrer nicht mit. Handarbeitsschule besteht nicht.

Schul- und Wohnräume Lehrersaal nach SO gelegen, sehr ruhige Lage, auf einer Seite mit dem Wohnhaus verbunden nach drei Seiten frei. Reinigung des Lehrerzimmers durch Mädchen der oberen Schulklasse. Heizung bisher durch Angehörige des Lehrers ohne Entlohnung in bar. Lehrer erhält Schulholzüberschuss bei nicht zu strengem Winter. 2 Zimmer unbeheizbar, 1 Speisezimmer, 1 feuchter Keller, 3 Dachböden, Waschküche und Holzlege fehlen. In der Küche ein neuer Waschkessel, Benutzrecht an den Nebenräumen hat nur der Lehrer. Badegelegenheit nicht vorhanden. Hofraum fehlt. Um Haus und Lehrersaal 4 Gärtchen, Lage ungünstig. Eine große neue gedeckte Zisterne. Verschiedene Obstbäume, zum Teil junge Hochstämme.

Einkommen Schul- und Kirchendienst 505,25 Mark, Aufbau aus der Schulklasse 1,87 Mark, von Kreisfonds 692,78 Mark. In Naturalien der sogenannte Grollus (Sammlung von Haus zu Haus durch den Lehrer selbst) Läutgarben z. Zt. Geldanschlag nach freier Vereinbarung zwischen Lehrer und Pflichtigen. Grundstück ein Wäldchen und einige geringwertig Äckerchen (4,56 Tagwerk im Ganzen) Pachtertrag 15-18 Mark, Pachtgelder gehen regelmäßig ein. Ostereier freiwillig von den Einwohnern Affalterthals.Erträgnisse des Grollus (Erbsen, Linsen, Mehl, Obst.) können zu Nürnberger Schrannenpreise verkauft werden. Fassionsmäßiges Kirchendiensteinkommen als Messner, Kantor und Organist 336,12 Mark, 200 Mark nicht in das Lehrereinkommen eingerechnet. Nebeneinkommen aus Gemeinde- und Standesamtsschreiberei einschließlich Rechnungsführung 380 Mark. Wilhelm Müller, Hauptlehrer

Kantor, Organist, Messner und Schulhalter

Schon von frühester Zeit an waren die Lehrer, auch in Affalterthal, immer Kirchendiener (Messner und Kirchner) und Schulmeister zugleich. Anfangs betrieb der Lehrer, dessen Beruf eigentlich aus der Stellung eines Pfarrgehilfen hervorging, ein bürgerliches Gewerbe und das bis weit in das 19. Jahrhundert hinein. Viele Jahrzehnte wurden dabei Einstellung und Besoldung entscheidend mitbestimmt von der Herrschaft von Egloffstein, zu deren Kirchenpatronat neben Egloffstein selbst noch Affalterthal, Kunreuth und Mühlhaus (ß)en- im Unterfränkischen gelegen- gehörten. Der Ortspfarrer als Lokalschulinspektor war zugleich unmittelbarer Vorgesetzter, mit anderen Worten, der eigentliche Schulleiter und dem Distriktsschulinspektor, ebenfalls Geistlicher, verpflichtet.

Diese geistliche Schulaufsicht dauerte bis 1912 und wurde vom (staatlichen) Schulrat als pädagogische Fachbehörde abgelöst. Die vorige Beschreibung der Schulstelle Affalterthal aus dem Jahre 1914 lässt erkennen, dass der Lehrer noch Organist, Kantor und Messner war, was viele Jahre wichtiger war als das eigentliche Schulehalten. Deshalb wurde bei der Bewerbung immer auf eine gute musikalische Ausbildung, vor allem im Orgelspiel und Gesang, Wert gelegt. "So waren die Schulmeister in Stadt und Land von Anfang an zu einer....Reihe von Tätigkeiten verpflichtet, die auf ihrer Schulstelle lastete.... solche Aufgaben konnten anfänglich,da es noch keinen Schulzwang und keine Sommerschule gab, zur Hauptarbeit werden, die in Naturalien- in späteren Jahren in Geld vergütet- abgegolten wurden..." Sie bildeten, obwohl als lästige Pflicht empfunden, einen wesentlichen Zuwachs zur Besoldung, machten oft sogar ihren Großteil aus.

Niederer Kirchendienst - eine Vielfalt von Aufgaben

Ein Schulmeister als niederer Kirchendiener hatte eine Vielzahl von Aufgaben zu erfüllen, die teils vergütet, teils unentgeltich zu leisten waren. Im Einzelnen waren dies: Richten, Ölen und Aufziehen der Kirchuhr, Aushilfe als Kirchendiener in Bieberbach, Holen des Abendmahlweines, Reinigung der Kirchentücher, Waschen des weißen Chorrockes, Mitgestalten des Gottesdienstes, namentlich durch Orgelspiel (auch bei Taufen und Hochzeiten), Vorbereitung des Gottesdienstes in Sakristei und am Altar, mehrmaliges Läuten der Glocken zu verschiedenen Anlässen wie Kirchgang, Sturm, Feuer, nahendes Gewitter, Abendläuten bei einbrechender Dämmerung, dazu Mitwirkung beim Leichenbegängnis (Leichenwege zu den Außenorten dauerten bis zu eineinhalb Stunden) und Beerdigungen; dazu gehörte auch der Entwurf von Leichenreden; als Kantor die Verstorbenen zum Friedhof geleiten, der sich bis 1806 noch zwischen Schulhaus und Kirche befand. Dass diese Tätigkeiten nicht ohne Beeinträchtigung des Unterrichts geschahen, liegt auf der Hand.

Kirchendienst stört den Schulbetrieb

„...Schulbetrieb wegen der kirchlichen Funktionen gestört...“, so schrieb Lehrer Müller noch zwischen 1911 und 1914 ins Notizenbuch seiner Schule unter der Rubrik "Unterrichtsunterbrechungen". Folgende Beispiele belegen dies nachdrücklich: 10.03.1911 1 Std. 9-10 Uhr Gottesdienst 15.12.1911 1 Std. 15-14 Uhr Leichenbegängnis 28.04.1912 1 Std. 15-14 Uhr Beerdigung 05.03.1914 2 Std. 9-11 Uhr Abendmahl Mancher Konflikt mit dem Ortspfarrer hatte hierin seine Wurzeln, wenn sich etwa der Geistliche über die nachlässige Ausführung des Kirchendienstes beklagte, siehe Kapitel IV, Lehrer Zimmermann. Besonders lästig wurde das Läuten empfunden, zwar durch sog. Läutgarben vergütet, später allerdings von den Schulmeistern gegen geringes Entgelt densog. „Läutknaben“ übertragen. Eine heitere Geschichte dazu begegnet Ihnen im nächsten Kapitel. Dies alles macht das Streben des Lehrerstandes nach Unabhängigkeit von der geistlichen Schulaufsicht verständlich und mündete 1861 in der Gründung des bayerischen Lehrervereins (BLV)

Das Einkommen des Lehrers

Im Folgenden soll versucht werden, die Entwicklung und Gestaltung des Lehrereinkommens in zwei Stufen zu gliedern und Wesentliches kurz und vereinfacht darzustellen.

Die Kirche sorgt für den Lebensunterhalt des Schulmeisters

In vorbayerischer Zeit, also bis etwa 1800, als die Pfarreien auf dem Land die Schulen gründeten,wurden auch die Lehrer von ihnen herangebildet und besoldet. Dabei wurde das Gehalt nach der Leistung des Lehrers im niederen Kirchendienst und von der Finanzkraft der jeweiligen Kirchengemeinde bestimmt. Immer aber bezog der Schulmeister eine Mischbesoldung aus barem Geld als Grundlohn und für seine Beschäftigung als Messner eine Vergütung in Naturalien, die seinen Lebensunterhalt einigermaßen sicherten. Im Grundlohn von anfänglich 15-20 Gulden, dem Lohn eines Bauarbeiters entsprechend, lag vielerorts am Existenzminimum.

In der Pfarrbeschreibung finden wir dazu folgende Anmerkungen: " Soweit die Kirchenstiftung ihre Gehaltsbezüge ausbezahlte, lassen die Rechnungen folgendes ersehen: Von 1649/50 an: Jährliche Besoldung 1 fl. 4 Pfd 6 Pf. Zins von 3 fl dem Gotteshaus verehrt 1 Pfd 7 Pf. Von 1722/23 an: dazu für Brennholz 1 fl.12 kr. (Kreuzer). Zwischen 1722 und 1801 betrug die jährliche Besoldung schon 20 Gulden, dazu noch - in Geldwert - 2 fl. 24 kr. Holz und Korn als Läutgarben, von den Bauern zu entrichten. 1876 wurden die Bezüge entsprechend in Markwährung umgewandelt. Als Nebeneinnahmen erhielt der Lehrer als niederer Kirchendiener aus der Kirchenstiftung noch folgende Entschädigungen. Seit 1649 ...für das Waschen des weißen Chorrockes 24 kr., Reinigen der Kirchentücher 18 kr., Holen des Abendmahlweines 1 Gulden. Seit 1716 noch: ... für die Mahlzeit bei der Zinseinnahne 1 fl. und die zwei-bis dreimalige Abschrift der Rechnungen 3 Gulden 12 Kreuzer. An sonstigen Einnahmen hatte er als Kirchendiener, wie auch der Ortspfarrer, das Recht den „Grollus“ einzusammeln. Dies geschah vornehmlich in der Adventszeit. Urkundlich zwischen 1847 und 1856 belegt, waren dies Naturalien wie etwa Erbsen, Linsen, Mehl oder Flachs. Später wurde er zeitweise in festen Bezug (pro Haus ca. 6 kr) umgewandelt, Das Einsammeln musste auf Anordnung des Ministeriums auf den Nachmittag verlegt werden, um evtl. Unterrichtsausfall zu vermeiden . In Affalterthal sammelte der Lehrer noch 1914 den Grollus in Naturalien von Haus zu Haus ein. Wann dieser Brauch in unserem Ort "ausstarb", scheint nicht überliefert zu sein. Tatsache ist, dass die Affalterthaler keinen Lehrer verhungern ließen; eine deftige Schlachtschüssel war ihnen immer wohlfeil. Der Verfasser dieser Zeilen durfte es am eigenen Leib erfahren.

Die Schuldienstfassion sichert das Gehalt des Lehrers - Auf dem Weg zum Staatsdiener

Mit dem Erlass des Schulpflichtgesetzes von 1802 beteiligte nun auch der Staat die Gemeinden am Aufkommen des Lehrergehaltes. So mussten sie die sog. „Dienstgründe“, landwirtschaftliche Grundstücke, bereitstellen, die den Lehrer zum Bauern machten, oder Schulfonds mit einer eigenen Kassenführung schaffen . In Affalterthal waren diese Dienstgründe größtenteils im Besitz der Kirchenstiftung und betrugen durchschnittlich fünf Tagwerk. So bewirtschaftete Lehrer Preis 1814 in eigener Regie Grundstücke in den Fluren Brenntbühl, Brunnäcker, Leithenberg, Haag und Auerberg, wobei die Größen zwischen 1/8 Tgw. (Auerberg) und 1 1/4 Tgw. (Leithenberg) schwankten. Der Erlös betrug in diesem Jahr 6 Gulden, wozu auch die zur Schule (Kirchhofhälfte) alten Zwetschgenbäume gehörten . Später verpachtete der Lehrer diese, oft geringwertigen Äcker an heimische Bauern. 

„Stellenbeschreibung“. Für seine Tätigkeit erhielt der Lehrer noch das Schulgeld (von allen Gemeindemitgliedern), das 1803 auf 2 Kreuzer pro Woche festgelegt wurde. In Affalterthal betrug es pro Kind und Jahr in der Werktagsschule 1 Gulden 44 Kreuzer, in der Sonntagsschule 34 Kreuzer . Es war ein wesentlicher Bestandteil des Lehrergehaltes, umso schmerzlicher der „Verlust“ von 114 Gulden für Lehrer S.A. Preis, als 1841 das Schulgeld der Bieberbacher Kinder wegfiel. Siehe Kapitel I. Seit 1739 wurde das Schulgeld der armen Kinder in Affalterthal von der Trylittschen Kirchenstiftung bezahlt. Ergänzt wurde das Gehalt durch das Schul- oder Besoldungsholz. Die „Accidenzien“ waren Stolgebühren als wichtige Bareinnahme des Lehrers als Helfer bei kirchlichen Handlungen, vornehmlich bei Taufen und Hochzeiten. Letzlich kamen noch die „Absentenstrafen“ für Versäumnisse der Schüler aus Nachlässigkeit und Faulheit veranlasst, hinzu. Wie aus dem Notizenbuch ersichtlich betrugen sie 1841/42 immerhin 6 Gulden 45 Kreuzer, wobei Affalterthal und Herzogwind "führend" waren, aus welchem Gründen auch immer.

Dieser wirklich "bunte" Gehaltszettel des Lehrers wurde 1832 durch die „Schuldienstfassion“ festgelegt und garantierte dem Lehrer ein gesichertes Mindesteinkommen. So ergab das jährliche Gesamteinkommen des Lehrers Preis 1833 nach der neu festgelegten Fassion folgendes Bild: 1. Gehalt: Stiftungskasse 32 Gulden, Schulgeld 255 Gulden, Weidberechtigung 15 Kreuzer. 2. Realitäten: Geldanschlag für Wohnung 22 Gulden, Dienstgründe 3 Gulden 48 Kreuzer. 3. Nebendienste: Kirchendiener 55 Gulden 54 Kreuzer, Kantor und Organist 45 Gulden, Gemeindeschreiber 2 Gulden. Gesamteinnehmen also etwa 420 Gulden. Diese Fassion war lange Zeit vom Lehrer handschriftlich zu erstellen und galt in den Landgemeinden bis 1918. Die Richtigkeit der Angaben wurden vom Lokalschulinspektor Imhof, dem Lehrer und Kantor Preis und den Gemeindevertretern Hoffmann, Keilholz, Beierlein und Grau bestätigt. Den Kaufwert des Gehalts der ehemaligen Schulmeister, die bekanntermaßen wohl noch nie zu den Reichen aber auch nicht zu den Ärmsten im Lande gehörten, entsprach etwa einem heutigen Geldwert von rund 4.500 Euro jährlich . Konnte ein Lehrergehalt von der Kirche und der Sprengelgemeinde nicht abgedeckt werden, so füllte eine staatliche Kasse auf Kreisebene die Lücke aus, wie wir es am Beispiel von Lehrer Preis sehen werden. Siehe Kapitel IV. Staatsdiener im heutigen Sinn, mit der sozialen Absicherung im Ruhestand und einem festen, nur auf seine unterrichtliche und erzieherische Tätigkeit begründetem Gehalt wurde der Schulmeister erst 1919 durch ein entsprechendes Gesetz. Darin wurde ihm auch der Messnerdienst untersagt.

Die Lehrer in Affalterthal

Im Rahmen dieser Festschrift ist es nicht möglich (und auch nicht beabsichtigt) alle Lehrer lückenlos aufzuführen und zu würdigen. Das kann nur insoweit geschehen, als sie urkundlich erwähnt und belegt sind. Die Pfarrbeschreibung der evang. Kirchengemeinde Affalterthal, das Archiv der ehemaligen Volksschule, das Staatsarchiv Bamberg sowie Zeitzeugen waren dabei die ergiebigsten Quellen. Über den ersten Schulhalter vor 1629 in unserer Gemeinde können nur Vermutungen angestellt werden. Wahrscheinlich war es ein Messner, ein Pfarrgehilfe oder ein Handwerker aus dem Ort oder der Umgebung. Lehrer, Kantoren und Kirchendiener Der erste urkundlich erwähnte Schullehrer vor 1629 war Melchior Zimmermann, der beim Einsetzen der Gegenreformation vertrieben wurde und Zuflucht in Höfles suchte. Sein Name wird auch in der Chronik der Schule Hetzelsdorf erwähnt, wo am 14.4.1632 sein Söhnchen begraben wurde .

Darauf folgten: Weber, Balthasar um 1634, wo er bei einer Taufe in Thuisbrunn am 11.2. als „Gevatter“ genannt wird. Kühner, Hans gestorben am 09.01.1646, Schneider und gewesener Schulmeister. Spahn, Jakob um 1647/49 Brater, Hans, von etwa 1657 bis 1678; er starb hier am 26.04. war zugleich auch Schuster und wurde 77 Jahre alt. Endreß(s), Johann, ca.1679 bis 1690. Am 08.07.1679 wurde er mit der Wirtswitwe Kunigunda Schmidt von Bieberbach getraut. Wo und wann er starb, ist nicht bekannt.

Schlick, Georg, ca.1692; im Sterberegister wird unter dem 9.Januar der Tod seiner Frau gemeldet. Zimmermann, Jeremias,1693 bis 1750, wo er am 20.09. im Alter von 80 Jahren starb, nachdem er fast 58 (!) Jahre Schul- und Kirchendiener war. Eine für uns heute unvorstellbar lange "Dienstzeit".Verständlich wird dies vielleicht, wenn man weiß, dass lange Zeit für dienstunfähig gewordene Lehrer noch keine Vorsorge getroffen worden war. Sie erhielten keinerlei Unterstützung nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst, blieben eben auf ihrer Schulstelle bis ins hohe Alter und stellten sich nur einen oder mehrere Gehilfen an, die sie selbst bezahlen mussten. Erst um 1820 wurde eine Unterstützungskasse für Witwen und Waisen gegründet, die nach dem Tod des Ernährers die Not dieser Personen milderte, wobei jeder Schullehrer monatlich einen Beitrag leisten musste . Lehrer Zimmermann, gesegnet mit acht Kindern, war wie zuerst üblich auch Totengräber.Von ihm wissen wir auch, dass er sich weigerte für Beerdigungen den Lebenslauf zu verfassen. Auf die Entscheidung der Herrschaft von Egloffstein hin, musste dies der Pfarrer übernehmen. So nimmt es nicht wunder, dass er mit den beiden Pfarrern Voit und Summa auf sehr schlechtem Fuß stand. „...die Leute redeten Ihm nach. dass er Pfr. Voit durch Ärger und Verdruß ums Leben gebracht habe; solches sei ihm auch öffentlich in der Amtsstube zu Wolfsberg vorgehalten worden und er habe sich davon nicht gereinigt.“

Köber,Johann Wilhelm unterrichtete von ca.1750 bis 1757 Machold, Johann Friedrich, 1758 bis 1769, aus Kunreuth gebürtig. Dass er, wie es in der vorliegenden Pfarrbeschreibung heißt, wegen eines "ärgerlichen" Lebens- was immer man sich darunter vorstellen mag- abgesetzt worden sein soll, kann nicht belegt werden.Von 1778 bis 1780 war er Lehrer in Thuisbrunn, wo er auch starb. Löhrl, Albrecht Ludwig,1769 bis 1809, starb am 27.Februar desselben Jahres. Ebenfalls aus Kunreuth gebürtig, verheiratete er sich am 31.07.1770 mit Magdalena, geb. Ziegler, die ihm 10 (!) Kinder schenkte. Seine Frau starb am 18.10.1805. Nach dem Tod Löhrls versah bis Oktober 1809 sein Sohn August Löhrl, ein Schlossergeselle, die Schule.

Preis: Der Name der beiden nächsten Lehrer hat noch heute in Egloffstein und im Fränkische Schweiz-Verein einen guten Klang. Das Archiv der Familie Fritz Preis aus Egloffstein verrät uns, dass Andreas Willibald Preis, geb. 25.02.1791 in Egloffstein und sein Bruder Simon Andreas Preis, geb. am 09.09.1789 ebenfalls in Egloffstein und am 15.04.1871 auf dem Bergfriedhof Egloffstein begraben, Söhne des Egloffsteiner Landarztes Christoph Friedrich Preis waren. Er war verheiratet mit Magdalena geb.Schmidt , einem direkten Nachfahren des ersten Egloffsteiner Lehrers August Andreas Schmidt . Preis, Adam Willibald, 1809 bis 1814. In Alter von 19 Jahren wurde er bereits Lehrer in Affalterthal und im Jahr 1814, trotz seiner wiederholten Bitten in Affalterthal bleiben zu dürfen, nach Mühlhausen (Unterfranken) versetzt. Später übersiedelte er nach Baiersdorf, erlangte dort Achtung als Stadtkantor und starb hier am 16.10.1866.

Anzumerken ist, dass er Vater von 9 Kindern wurde, wobei allerdings drei ganz jung verstarben. Sein Sohn Christoph, ebenso musikalisch wie sein Vater, machte sich einen Namen als Organist, Kantor, Komponist und Förderer des fränkischen Liedgutes. In der Grabrede lesen wir über A.W.Preis: „ ...mit 19 Jahren...trat er mit bangem Herzen diesen beschwerlichen Dienst an...mit Gottes Hilfe und mit tatkräftigem Beistand des Pfarrers und Lokalschulinspektors Hoffman wurden alle Schwierigkeiten glücklich überwunden; der junge Lehrer gewann bald die Herzen und das Zutrauen der Kinder ...so dass sein erzieherisches Wirken nicht ohne Segen blieb... “. Und im Pfarrarchiv Affalterthal heißt es: „...ein edler Kinderfreund....der sich seinen Kleinen so unentbehrlich zu machen wußte,daß sie, die vorher die Schule als ein Nothaus geflohen haben, nunmehr die Schule mit Begierde suchen und oft länger darin verweilen, als ihre Stunden es von ihnen fordern“. Etwas Schöneres kann über einen Lehrer kaum gesagt werden. Nach seinem Wegzug versah Pfr. Hoffman bzw. eine Zeitlang Heinrich Friedrich Mülzer, später Lehrer im schon erwähnten Mühlhausen, die Schulstelle.

Auf ihn folgte Preis, Simon Andreas, der vom Februar 1814 bis Mai 1865, also fast 50 Jahre in unserem Ort wirkte, wo er auch pensioniert wurde. Stellvertretend für viele nachfolgenden Schulmeister sei hier in Stichpunkten die damalige Ausbilung zum Lehrer vorangestellt. 1807 - 1808 "Praktikant" beim ehemaligen Kantor Schmidt zu Egloffstein 1808 - 1809 Präparandenschule in Bamberg 1809 - 1811 Schullehrerseminar daselbst 1811 - 1814 Verweser der Schule zu Ailsbach 09.02.1814 Definitive Anstellung in Affalterthal Im Bericht des Königl. Lokalschulinspektors vom 15.08.1856 schreibt Pfr. Hohlbach über den nun schon altgedienten Lehrer: " im Lehrfach gut...geschickt in der Erziehung, im mündl. Vortrag gut, im schriftl. Vortrag sehr gut, in der Musik gut wie - im Gesang, - im Orgelspiel sehr gut, seine Handschrift ist recht gut. Einige Monate später, im November desselben Jahres...beteiligte er sich nicht mehr an der Schule wegen beginnender Taubheit, jedoch am Orgelspiel und als Gemeindeschreiber... "

Aus diesem Grund und wegen der großen Schülerzahl unterstützten ihn etliche Gehilfen bei seiner Arbeit. Sie fanden dabei ein Zimmer im ersten Stock des Schulhauses (Lehrerwohnung). Preis, der für Kost und Wohnung aufkommen musste, erhielt nach langen Hin und Her aus dem Kreisfonds einen jährlichen Zuschuss von 40 Gulden. Als Gehilfen bzw. Hilfslehrer finden wir etwa um 1818 Hilfslehrer Öchsle, später Friedrich Semmelmann und als Schulgehilfen in den Zeiten seiner fortschreitenden Schwerhörigkeit 02.11.1855 - 15.11.1859 Adam Ploß 16.11.1859 - 01.04.1861 Johann Kühhorn 01.04.1861 - 01.10.1862 Friedrich Strehl 01.10.1862 - 16.06.1865 Georg Trautner, vom 1.Mai als Verweser eingesetzt .

Ein Zeugnis von den Lebensverhältnissen der Schullehrer (und ihrem steigenden Selbstbewusstsein), bedingt durch die verbesserte Lehrerbildung des 19.Jhh., offenbart sein Bittbrief an die Königl. Regierung von Oberfranken in Bayreuth vom August 1856. Vorausgeschickt soll werden, dass er, seit 1815 verheiratet, eine 6-köpfige Familie zu ernähren hatte. Er klagte wiederholt darüber, dass er deshalb mit dem geringen Gehalt nicht auskommen könne, zumal seit Errichtung einer eigenen Schule in Bieberbach 1841, sich sein Einkommen um 114 Gulden an Schulgeld verringerte... Zudem lebe er in einer armen Schulgemeinde. In seinem Bittbrief schrieb er nun, dass er sich nicht aus eigener Not verschuldet habe, seine kranke Frau versorgen müsse (sie starb am 08.08.1855), nur noch 309 Gulden für sich und seine Familie, wobei 12 Gulden aus der Witwenkasse hinzukomme, zum Leben habe. Außerdem benötige er dringend einen Gehilfen, den er aber mit diesem Gehalt nicht bezahlen könne. Hinzu käme noch die Teuerung - also schon damals. Deshalb bitte er um die Erhöhung des geringen Gehalts um 40 fl. jährlich . Dies wurde ihm auch gewährt. In allen Notsituationen standen Gemeinde und Pfarrer Hohbach immer hinter ihm, unterstützten diesen Bittbrief und bezeugten die wahrheitsgemäße Schilderung seiner misslichen Lage.

Simon, Johann Leonhard aus Reinhardtshofen in Mittelfranken, vom 16. 06. 1863 - 01.05.1874,vorher Lehrer in Bieberbach. 1874 wurde er zum Lehrer und Kantor in Kasendorf ernannt, gestorben daselbst im Jahr 1915. Die Verwesung wurde nach seinem Weggang dem Lehrer Kreutzer in Bieberbach übertragen. Trautner, Johann Georg, geboren am 08.02.1841 in Oberfellendorf bei Streitberg, unterrichtete vom 16.05.1874 bis 11.11.1897, wo er auf dem Heimweg von einer Konferenz in Gräfenberg an einem Gehirnschlag starb. Als einziger Lehrer fand er seine letzte Ruhestätte auf unserem Friedhof. In den Jahresberichten der Districts- zw. Localschulinspektion wurde seine Person wiederholt ungünstig beurteilt. So heißt es anlässlich der Visitation vom 06.11.1896 über ihn: "...Hefte sind angelegt und regelmäßig geführt, jedoch seit Anfang des Schuljahres nicht korrigiert- was ihm eine schriftliche Ermahnung des Districtsschulinspektors und eine außerordentliche Visitation einbrachte (Anmerkung des Verfassers) - zwar haben sich die Schüler mancherlei gedächtnismäßig angeeignet, jedoch nur wenig mit dem Verstand und Gemüt erfaßt. Weil es an einer anschaulichen Darbietung fehlt, haben die Vorstellungen nicht die erforderliche Klarheit...

Die Sprachpflege ist vernachlässigt. Auf richtiges und wohllautendes Sprechen ist mit allem Nachdruck hinzuwirken. Der Lehrer findet sich mit seiner beruflichen Aufgabe...auf einer nur zu mechanischen und wenig geistbildenden Art ab..." . Nachdenkenswert ist aber dabei die Tatsache, dass die Visitation am 05.Mai ..."vor einer hohen Zahl höchst unbegabter Kinder in der Klasse (insgesamt 89) stattfand, deren Förderung große Schwierigkeiten verursacht, die nicht bewältigt werden konnte, trotz Mühen des Lehrers..." Weiter lesen wir im jährlichen Bericht "...häusliche Erziehung und Schulzucht lassen zu wünschen übrig." . Es wird auch berichtet, dass er, wenn er eins zu viel getrunken hatte, am Wirtshaustisch aus seiner freigeistigen Stellung zur Religion keinen Hehl machte. So war sein Zusammenleben besonders mit Pfr. Reich kein erfreuliches; dagegen hat er sich mit dem größten Eifer der Pflege des Posaunenwesens gewidmet.

Groh, Johann versah die Schule als Verweser vom 14.11.1897 bis 01.02.1898. Müller, Wilhelm, 01.02.1898 - 30.04.1914, war vorher Hilfslehrer in Goldkronach. Er hat sich um die politische Gemeinde Affalterthal sehr verdient gemacht ohne allerdings viel Dank dafür zu erhalten. Was er für die Kirche und das kirchliche Leben in treuer selbstloser Unterstützung der Pfarrer getan hat, wird ihm nicht vergessen werden.

Den Posaunenchor leitete er von seinem Dienstantritt und schulte ihn vortrefflich, so daß dieser weit und breit der Beste war. Welches Vertrauen er in kirchlichen Kreisen genoss, geht daraus hervor, dass er für die Generalsynode 1915 zum weltlichen Abgeordneten gewählt wurde. Seiner Schule stand er treu und gewissenhaft vor und erzielt bei den Prüfungen immer sehr gute Resultate. Im Protokollbuch vom April 1910 finden wir dazu folgenden Eintrag: "...besonders hervorzuheben sind die Kenntnisse im religiösen Gegenstand...die Sicherheit im Rechnen (Schüler) und die Sorgfalt in den Handschriften zeugen von einer guten Schulung...er ist ein fleißiger und strebsamer Mann, der in wissenschaftlicher Hinsicht sehr gut qualifiziert werden kann.... Folgsamkeit und sittliches Betragen (Schüler) lobenswert, wohl auf die strenge Disziplin des Lehrers zurückzuführen. Häusliche Zucht nicht zu tadeln, Eltern wirken der Schulerziehung meistens nicht entgegen..." . Am 1. Mai 1914 trat er seine neue Stelle als Lehrer und Kirchendiener in Schnabelwaid an. Die Verwesung der Schulstelle wurde Valentin Dingfelder aus Mühlhausen übertragen; da der neue Lehrer (Gulden) vorübergehend zum Heeresdienst eingezogen war, blieb er hier bis 31.11.1914 als Aushilfslehrer.

Gulden, Hans, ab 01.10.1914, manch älterer Affalterthal Bürger ist ihm noch persönlich begegnet. Er wurde am 25.09.1887 in Bayreuth geboren, besuchte dort das Seminar von 1902-1907 und war dann Hilfslehrer in Mengersdorf und Barnstein a.W. Seinen Dienst trat er am 01.01.1915 an und wurde am 4.Januar durch Pfarrer Bergdolt in sein Amt eingewiesen. Verheiratet seit 09.08.1915 mit Henriette, geb. Schmitt aus Barnstein a.W. und Vater eines Mädchens. Er erlebte während seiner Amtszeit ca.1922/23 folgenden Lausbuben streich einiger "Läutknaben": " Wir waren damals so ungefähr 8-10 Jahre und waren vielleicht 6 oder 8 Buben aus der Nachbarschaft.

Ein gewisser Deuerlein, der Stöckel, der Hopfengärtner und der Porisch dazu. Es geschah im Pfarrgarten; dem Pfarrer Spieß sein Sohn war auch dabei. Das war der Angeber, der hat damals schon eine Schaukel gehabt. Wir waren damals zerstritten, so hat es zwei Gruppen gegeben. Eine Gruppe hat mitschaukeln dürfen und die anderen nicht. Jetzt waren wir drei- der Hopfengärtner, der Stöckel und ich.. sind wir auf die Idee kumma, wer von uns, weiß ich nimmer. Wir gänga durch die Sakristei nei die Kirch’n und hänga uns an die Kirchensträng (damals hingen die Glockenstränge noch bis in den Altarraum). Na, da könne mer schö mit schaukeln. An die Kleine hat sich einer drangghängt, die hat amal an Schlag gemacht; aber die Große hat gar net geläut, die war zu schwer oder wir zu schwach. Dann haben wir uns zu dritt dranghängt...es hat einmal "Bumm" gemacht. Das haben wir ein Stück getriebn. Miteinand kommt die Frau Pfarrer und macht uns einen Krach. Wir sind durch die Sakristei naus und die Frau Pfarrer hinten drein. "Halts auf die Schlacken, halts auf die Schlacken".

Lehrer Gulden stand am Gartentürle, hat es auf gemacht, dass sie uns net erwischt hat und mir hamm haam geh könna....und hat dann das Türl zugemocht und die Pfarrerin ist dort gestanden. Jeder ist hamm voller Angst, jeder hat sich versteckt. Der Stöckel, der Vater war ziemlich streng, im oberen Dachboden nauf, im Taubenschlag hat er sich dort eingesperrt. Den haben sie lange nicht gefunden. .. erst abends. Der Hopfengärtner Hanni hat sich in der Scheune ins Stroh gewühlt, sie haben ihn erst nachts gefunden. Ob er Prügel gekriegt hat, weiß ich nicht, der letzte war im Keller. Aber nur aus Angst vor den Eltern. Wir haben ja nicht gewusst, was wir angestellt haben. Unser Läuten war früher das Zeichen für Feueralarm. Die Leut, die auf Gemeindegrund am Polsters Berg gearbeitet habn, haben keinen Rauch, keine Wolke gesehen und sind nicht ham, wieder andere haben die Viecher ausgespannt und sind heimgelaufen..." Diesen Lausbubenstreich hat mir Georg Porisch erzählt, bekannt auch als "Seegörch".

Als Lehrer lesen wir über ihn im Prüfungsbericht vom 25.11.1918: „Lehrer Gulden arbeitet fleißig und mit gutem Lehrgeschick. Die Visitation ergibt, dass er sich gewissenhaft auf seinen Unterricht vorbereitet. Seine Schule würde einen noch besseren Eindruck machen, wenn die Kinder noch etwas frischer wären und noch mehr aus sich herausgingen. Sie sind zum Teil etwas zaghaft im Antworten, obwohl sie gute Kenntnisse aufweisen können. Über Schulzucht ist keine Klage veranlaßt, das heimatliche Lied wird gepflegt.“ Die Prüfzeit war von 12-14 Uhr! (Anmerkung d.V.)

Für Interessierte seien die Prüfungsthemen angefügt: 1. Lesen: Mittelklasse (4. und 5. Klasse) „Der Hase und der Igel“ Vermerk des Prüfers: „Auf richtige und deutliche Aussprache wird mit Nachdruck gehalten; Satzzeichen werden noch nicht genügend bemerkt.“ 2. Sprachlehre: Hauptwortarten: Eigenschaftswort, Zeitwort; drei Hauptzeiten. „...der Stoff wurde gründlich behandelt und von den Kindern mit Verständnis aufgenommen. 3. Aufsatz: Thema der Oberklasse (6. und 7. Klasse): „Warum wir Bucheckern sammeln“ – „Wird von den meisten Schülern mit guter Auffassung entsprechend ausgeführt. Einige unbeholfen.“ 4. Rechnen: 4.Kl.: Augenmerk auf mündliche (!) Aufgaben mit Überzählen (=Überschlag) und 1x1 Übungen. 5.Klasse: Teilen im Zahlenraum bis 1000 mit einstelligem Divisor (800:5,210:7 u.ä...). Im Allgemeinen gut, einige noch ungeschickt...“ 5. Mündliche Sprachpflege: „Kinder sprechen laut aber noch nicht durchgehend in Sätzen“. Bei Kriegsbeginn war Gulden in Bayreuth, aus Gesundheitsgründen nur im Garnisonsdienst tätig, den er vor allem während der Dauer der Schulferien ableistete.

Mit Unterstützung der Gemeinde und Pfr. Bergdolt wurde er im Mai 1916 entlassen und trat wieder in den Schuldienst ein. Am 1.Mai 1926 wurde er – auf eigenem Wunsch als Hauptschullehrer versetzt und „...hat am 29.April vormittags um 10 Uhr Affalterthal verlassen...“ Weiß, Rudolf (?), von 1926 bis 1929 Auch er musste sich, wie viele seiner Vorgänger, mit einer riesigen Schülerzahl von 68 Kindern abfinden in einem Lehrsaal (1905 erbaut), der schon wieder für so eine Zahl zu klein und nicht ausreichend erschien. Im Schuljahr 1928/29 teilte er sich die Klasse im Wechselunterricht mit Lehrerin Beck.

Er war, wie im Notizenbuch anlässlich der Schulprüfung vom 16.09.27 nachzulesen ist ... „ein von ernstem Streben beseelter Lehrer. Er hält die Vorschriften der Schul- und Lehrordnung gewissenhaft ein, bereitet sich auf seinen Unterricht genügend vor, nützt die Unterrichtszeit gut aus und strebt die Förderung seiner Schüler mit Eifer und Erfolg an. Er bemüht sich anschaulich und kindertümlich zu unterrichten, die Schüler zur Mitarbeit anzuregen und die kindliche Mitteilungsfreudigkeit zu erhalten und zu pflegen.“ Seine Frau durfte einmal die Geradlinigkeit der bäuerlichen Bevölkerung erleben:

„Haareschneiden“ oder zum Baader gehen war zu jener Zeit etwas Besonderes, nicht so selbstverständlich wie heutzutage. Die Frau Lehrer machte hier eine Ausnahme und ließ sich öfters beim Frisör schön machen und schicke Frisuren, im Schnitt der damaligen Zeit, verpassen. Nach so einem Frisörbesuch begegnete sie ihrer Nachbarin, der alten „Schreinerin“ (Hörl), die folgenden überlieferten „Kommentar“ gab: „Frau Lehrer, vorne sans scho schö, aber hint saugarschtich.“ Die Reaktion der Frau Lehrer liegt im Dunkel der Geschichte. Erzählt dem Verfasser von der "Kellholzn" Lies (Herrmann), die noch eine Schülerin von Lehrer Weiß war.

Über dessen weiteren Lebensweg konnte in den Unterlagen leider nichts mehr in Erfahrung gebracht werden. Anzumerken ist nur, dass damals der erste Übertritt einer Schülerin aus Affalterthal in ein Gymnasium (Hof) belegt ist. Vermutlich die Tochter seines unmittelbaren Vorgängers Kantor Gulden. 1925 wurde auch erstmals die Erteilung von Handarbeitsunterricht protokolliert, erteilt von einem Frl. Schmidt. Panzer, Ludwig, von 1929 bis 1965 Geboren am 02.10.1900 in Bayreuth, 2 Kinder, verstarb er am 2.April 1971 in Gräfenberg, wo er auch zusammen mit seiner Frau Anna, geb. Laufer (Gräfenberg) seine letzte Ruhestätte fand. Viele ältere Affalterthaler haben ihn noch persönlich gekannt oder gingen bei ihm in die Schule. Der Verfasser selbst durfte ihn noch kennenlernen und sich manch guten Ratschlag von dem erfahrenen Kollegen holen. 

Von 1943 bis 1945 im Krieg (Balkan), vornehmlich als Sanitäter im Einsatz, durfte er aus politischen Gründen erst im Schuljahr 1948/49 wieder seinen Dienst antreten. In der Zwischenzeit vertraten ihn die Lehrkräfte Schnappauf bzw.Trewitz. In den Jahren 1945 bis 1948 versah Ursula Francke den Schuldienst. in Affalterthal. Im März 1930 besteht sie das Abitur in Gnadau, dem Oberlyzeum der Herrnhuter Brüdergemeinde und entschließt sich Volksschullehrerin zu werden. (Pädagogische Akademie in Breslau wird ihr Studienort) Mitten im Krieg Januar 1945, flieht sie aus Danzig mit zwei Kindern, ein drittes ist unterwegs. Sie findet Mitte April ersten Unterschlupf in Egloffstein, am 1.August wird ihr die Schulstelle in Affalterthal übertragen,...wo sie eine tiefe Freundschaft mit Frau Pfarrer Drechsel und Pfarrer Rudi Arndt verbindet. Pfarrer Drechsel ist zu dieser Zeit in Stalingrad vermisst.

1947/48 musste sie sich mit 80 Schülern abmühen, was natürlich nur im Abteilungsunterricht (vor-und nachmittags) möglich war. Darunter befanden sich etliche Kinder von Heimatvertriebenen bzw. Flüchtlingen, wie sie selbst eine war. Kraft dazu schöpfte sie aus ihrem starken Glauben. Ab dem Schuljahr 1948/49 teilte Sie sich die Schularbeit wieder mit dem heimgekehrten Ludwig Panzer, bis 1951. Er erlebte so die geburtenschwachen Kriegsjahrgänge mit nur 22 Kindern in der gesamten Schule. Panzer entdeckte aber wohl noch einen anderen Grund für den Geburtenrückgang, als er in seinem Jahresbericht 1953/54 bemerkte: “.die Kinderfreudigkeit, besonders unter den jungen Eheleuten, ist erschreckend abgesunken...“ Pädagogisch fortschrittlich zeigte er sich bei seinen Elternabenden, die immer gut besucht waren. Besonders beliebt - auch bei der Bevölkerung - war das Kinderfest, das am 1. Mai jeden Jahres unter seiner Leitung stattfand.

Es begeisterte in den 50-er Jahren Jung und Alt und wurde immer zu einem echten Dorffest. Es gab sportliche Wettkämpfe, Spiel, Spaß u.v.m., unterstützt von Posaunenchor, Kirchenchor, den Ortsvereinen und den Bürgern. Auf Grund seiner Erkrankung, am 18. März 1958 musste er sich einer dringend erforderlichen Operation unterziehen, konnte L. Panzer diese liebgewonnene Tradition nicht mehr fortsetzen. Am 25. Februar 1961 erlitt er einen totalen Zusammenbruch und war bis 22. August 1961 dienstunfähig. Einige Lehrer, die ihn in dieser Zeit und auch später vertraten, waren: Peter Thiel, Katharina Neuner (HA), Maria John (HA), Heinz Hoyer aus Egloffstein (1961/62) Ernst Kawelke, Hohmann, Elisabeth Lingl (HA). Durch sein Engagement wurde eine Jugendgruppe zur sinnvollen Freizeitgestaltung sowie eine Musikgruppe für Gitarren- und Mandolinenspiel ins Leben gerufen. Panzer, der als guter Geigenspieler bekannt war, erlebte nachfolgende "Anerkennung" seiner künstlerischen Fähigkeiten, die er jedem, der sie hören wollte, immer wieder gern erzählte: „ich glaub des war, wie ich nei die 1. Klasse kommen bin.

Da hat der Lehrer Panzer einmal seine Geige dabei ghabt und auf dem Fidelbogen a Liedla gspillt. Dann hab ich gsagt: „Genauso knarzt unser Stadltor a..“ (Richard Herrmann) ForschrittIich wie viele Lehrer damals, lud er auch seine Schulkinder in seine Wohnung zum „Fernsehen“ ein. Eine Sensation und ein einmaliges Erlebnis -vor gut 40 Jahren. Für die politische Gemeinde hat er sich nachhaltig verdient gemacht. Er war „Mädchen für alles“: Sanitäter, Geburtshelfer, Arzt, Renten- und Steuerberater, Vorsitzender des Obstbauvereins. Tages -und Jahreszeit spielten dabei keine Rolle. Mit den Ortspfarrern pflegte er stets ein gutes, freundschaftliches Verhältnis. Die Gemeinde ehrte ihn am 20.Juli 1965, wo er in einer Feierstunde nach 36-jähriger Tätigkeit an unserer Schule in den Ruhestand verabschiedet wurde und gleichzeitig die Ehrenbürgerurkunde erhielt. Fürwahr ein erfülltes Lehrerleben.

Lamprecht Gerhard, 1965-1968 Im Jahresbericht der Volksschule 1964/65 heißt es: „Für die mit Beginn des neuen Schuljahres frei werdende Schulstelle hat sich ein Bewerber gefunden..“, der gerne noch länger geblieben wäre... 

Die Schule in der Kriegs- und Nachkriegszeit

Aus dieser Zeit gibt es, Gott sei Dank, nichts Schlimmes aus unserem Ort zu berichten. Weder von schweren Kriegsschäden noch von Not der Affalterthaler Schulkinder. Einzig aufregende Erlebnisse waren damals, als am 15.April 1945 einige Panzer und Lkw der kommenden Sieger durch Affalterthal brausten, sowie wahrscheinlich ein von Egloffsteinerhüll aus abgefeuertes Brandgeschoss, welches das Anwesen Vogel/Seitz (gegenüber dem alten Schulhaus) in Brand setzte. Männer der FFW konnten das Feuer rasch löschen, ohne dass größerer Schaden entstand. Außerdem schlugen am 1.Januar 1945, als die Amerikaner einen Angriff auf Nürnberg flogen, zwei Brandbomben außerhalb der Ortschaft ein, ohne aber jemand zu verletzen. Auch der Unterricht konnte ohne gravierende Störungen abgehalten werden.

Auf zu neuen Ufern Blättert man im Bayerischen Lesebuch der 7./8. Klasse von 1949, genehmigt vom „Office of Military Goverment“ (Militärregierung) so spiegelt sich, vier Jahre nach einem weltweiten, furchtbaren Krieg und dem Terror des Naziregimes in unserem Land, hier ein neues Lebensgefühl, eine neue Sehnsucht wider. Themen wie Heimkehr, Frieden, Wiederaufbau, Vaterlandsliebe, Recht und Freiheit, Geborgenheit oder Mutterliebe und Autoren wie Eichendorff, Goethe, Schiller, Hesse, Heine, Rosegger und Thoma bestimmten den Inhalt. Ein Beispiel, das das eben Gesagte unterstreicht.

Mondnacht

Es war, als hält der Himmel /
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer /
Von ihm nur träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder, /
Die Ähren wogen sacht,
Es rauschten leis' die Wälder, /
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte /
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande, /
Als flöge sie nach Haus.

Das Gedicht stammt vom großen Romantiker Joseph v. Eichendorff (1788-1857).

Sehen Sie, verehrter Leser, so schön kann oder soll ich sagen „könnte“ deutsche Sprache sein. Auf "Denglisch" würde man heute sagen"... get more..."

Nach Kriegsende begann, wie in den meisten fränkischen Dörfern, der Unterricht wieder am 1.Oktober 1945. Lehrerin Ursula Francke musste damals 76 Kinder „bewältigen“ was sicher keine leichte Aufgabe bedeutete. Darunter gab es auch etliche Kinder von Flüchtlingen bzw. heimatvertriebenen, die für kurze Zeit in Affalterthal einquartiert waren. Noch 1959 zählte man sechzehn dieser Kinder. Lehrerin Franck war ebenso Flüchtling wie die Handarbeitslehrerin Charlotte Hollstein, die 1949 hier unterrichtete. Bemerkenswert war auch die Erteilung des Religionsunterrichtes durch Pfarrer von Beuningen, der in dieser Zeit als 70-Jähriger zu Fuß von Egloffstein herauf wanderte. Die damals angebotene Schulspeisung (1947-1950) nahmen vornehmlich, wie mir eine Zeitzeugin erzählte, die Flüchtlingskinder in Anspruch.

Die Schulorganisation führt zur Auflösung der einklassigen Volksschule Affalterthal

Der bisherige Streifzug durch die Geschichte unserer Schule hat gezeigt, dass von Anfang an die schulischen Verhältnisse -ein Schulraum, viele Schüler- nicht befriedigen konnten. Der letzte Schritt für eine Verbesserung der Situation und zum Erhalt der dorfeigenen Schule wurde Mitte der sechziger Jahre unternommen. Im Protokollbuch der Schulpflegschaft Affalterthal vom 5. Mai 1964 heißt es hierzu: „1. Die Gemeinde wird ersucht, den katastrophalen Zuständen dadurch Abhilfe zu schaffen, dass eine zweiklassige Schule zu errichten sei. 2. Gleichzeitig soll mit der Gemeinde Bieberbach ein Schulverbandsvertrag geschlossen werden mit dem Ziel der Errichtung einer vierklassigen Verbandsschule... 3. Das Gebiet der Gemeinde Affalterthal soll in den Sprengel der Verbandsschule eingegliedert werden. Die Volksschule soll mit 2 Klassen in einem neu zu errichtenden Schulgebäude in Affalterthal und mit 2 Klassen im Schulgebäude der Gemeinde Bieberbach untergebracht werden... 4. Die Lehrkräfte, die an der Volksschule Affalterthal unterrichten, sollen in einem neu zu errichtenden Lehrerwohnhaus untergebracht werden."

In zahlreichen Versammlungen, darunter auch sieben Elternversammlungen unter Hauptlehrer Panzer, Entschließungen und Anträgen wurde das Für und Wider reichlich und leidenschaftlich diskutiert. Zwei Alternativen kristallisierten sich dabei heraus: Ein Schulverband mit Bieberbach mit Erhalt der dorfeigenen Schule oder der von der Regierung bevorzugte große Schulverband mit Egloffstein. Am 24. Mai 1965 kam es zu einer denkwürdigen Bürgerversammlung in Affalterthal, bei der es vor allem um die Bildung eines Schulverbandes mit Egloffstein ging, der sich nun immer mehr abzeichnete. Die "Nordbayerischen Nachrichten" berichteten damals: „Am Schluß kam es zu ...Tätlichkeiten, an denen außer Affalterthaler Bürgern auch Gemeindevertreter beteiligt waren. Einige Hammerbühler Eltern, denen auch die Schuld am Nichtzustandekommen des Schulverbandes mit Bieberbach vorgeworfen wurde, trugen Körperverletzungen davon. Erst als der Wirt (Konrad Dietel) die Polizei rufen wollte, gaben die „Kampfhähne“ auf.''

Dieser Vorfall bestärkte die Hammerbühler in ihrem Wunsch nach sofortiger Einschulung ihrer Kinder nach Egloffstein, der dann auch von der Regierung bewilligt wurde. Der Ortsteil Äpfelbach folgte diesem Beispiel, wobei in beiden Fällen als Grund der Umschulung die unzumutbaren Schulwege von den Erziehungsberechtigten angegeben wurden. Hauptlehrer Ludwig Panzer, der den „Auszug“ der Hammerbühler damals als Spitze gegen seine Person betrachtete, erkannte trotzdem die Erfordernisse der Zeit, als er ausrief: „Denkt an die Kinder, gebt Ihnen die bestmögliche Schule!“ Sie kam auch. Am 1.September 1967 wurde der Schulverbandsversuch Egloffstein gestartet -der ja bis zum heutigen Tag Bestand hat- unter (vorläufiger) Beibehaltung der Schulhäuser in Egloffstein, Affalterthal und Bieberbach. Hinsichtlich der Klassenstrukturen konnten dabei (im Vergleich mit heutigen Maßstäben) nur bescheidene Verbesserungen erzielt werden. Doch der Anfang war getan. Erstmals musste dabei ein Schulbus eingesetzt werden, um den Ringtausch der Schüler zu ermöglichen. Folgende Klassenaufteilung ergab sich damals: Egloffstein: Klassen 1-4 und Klassen 7 und 8 (Lehrerehepaar Hoyer) Affalterthal: Klassen 5 und 6 (Lehrer Lamprecht) Bieberbach: Klassen 1-4 (Lehrerin Lingl und Lehrer Müller) Grundschüler aus Affalterthal und Bieberbach. Die Gesamtschulleitung hatte Heinz Hoyer Am 1. August 1968 wurde mit Regierungsentschließung die Schule in Affalterthal geschlossen und gleichzeitig die Kinder aus dem bisherigen Schulsprengel Affalterthal dem Schulsprengel der neu errichteten Verbandsschule Egloffstein mit Schuljahresbeginn 1968/69 zugeteilt. So ging am 31.Juli 1968, dem letzten Schultag in Affalterthal, eine fast 400-jährige Schulgeschichte zu Ende. Dies wurde von vielen Bürgern zutiefst bedauert. In guten wie in schlechten Zeiten hatten sich dabei die engen Verbindungen zwischen Eltern, Lehrern, Pfarrern und Kindern aufs Beste bewährt. Nicht zuletzt auch ein Verdienst der Lehrer in Affalterthal. Viele hatten hier ihre Heimat gefunden und versucht, ihren hohen Erziehungsauftrag zu erfüllen. Unter heute kaum mehr vorstellbaren Bedingungen.